Sunday Thoughts: Schluss mit Minderwertigkeitsgefühlen!

Kennt ihr das Gefühl, ein Außenseiter zu sein? Wisst ihr, wie es ist, wenn man sich in der Gegenwart anderer permanent minderwertig fühlt? Immer wieder treffe ich Menschen, die nach außen hin stark, erfolgreich und begehrenswert wirken. Mädels, mit denen ich gerne tauschen würde und Männer, die sofort den Anschein erwecken, für mich unerreichbar zu sein. Natürlich kommt in mir direkt der Wunsch auf, mit diesen Leuten befreundet zu sein; ich bekomme das Gefühl, dass ich nur etwas wert bin, wenn ich von ihnen anerkannt und gemocht werde.

Das war, wenn ich mich recht erinnere, schon in der Schule so. Da ist diese eine Gruppe, die von allen bewundert wird, die als total angesagt gilt – was aber nie jemand aussprechen würde – und zu der jeder insgeheim auch gehören möchte. Warum  haben wir dauerhaft das Gefühl, dass andere hübscher, cooler oder beliebter sind als wir? Dass sie ein lebenswerteres Leben führen und sich in Kreisen bewegen, von denen wir bestimmt nie ein Teil sein werden?

Ich möchte euch eines von unzähligen persönlichen Beispielen geben: Vor einiger Zeit habe ich einen Mann gedatet, der nach außen hin so perfekt schien, dass ich überzeugt war, dass jede Frau sich nach ihm die Finger lecken würde. Er war unverschämt gutaussehend, sportlich, intelligent, freigeistig, kreativ und konnte zu allem Überfluss auch noch Klavier spielen wie ein junger Gott. Er hatte trotz seines jungen Alters schon die halbe Welt gesehen und zu seinen engeren Bekannten gehörten offensichtlich allerhand internationaler Promis – zumindest tat er so. Seltsamerweise fühlte ich mich jedoch die ganze Zeit mit ihm über unwohl, ich war nervös und nicht ich selbst. Von meiner Schlagfertigkeit und vielseitigen Persönlichkeit konnte ich nicht viel zeigen, da ich mich kaum traute, meine lahmen Hinterwaldgeschichten gegen seine Hollywood Stories auszupacken. Natürlich ließ ich mich auf ihn ein. Ich kam mir fast privilegiert vor, die Wohnung von jemandem betreten zu dürfen, der offensichtlich so cool war und es erfüllte mich mit Stolz, ja fast mit Ehrfurcht, dass so jemand mir seine Zeit widmete.

Im Nachhinein, wenn ich die Situation mit ein wenig Abstand betrachte, muss ich sagen, dass ich mich für meine Gefühle regelrecht schäme. Warum gebe ich mich mit jemandem ab, der in mir pausenlos ein schlechtes Gefühl auslöst? Warum bewundere ich einen anderen Menschen so sehr, dass mir mein gesamtes Leben in seiner Gegenwart langweilig und unerfüllt erscheint? Nur weil seine Eltern das nötige Kleingeld und gute Gene haben? Wie kann es sein, dass ich mich von Schönheit und oberflächlichem Gehabe so blenden lasse?

Ab und zu läuft mir der Kerl noch über den Weg und tut dann so, als würde er mich nicht sehen. Dann muss ich jedes Mal schmunzeln und mir wird klar, wie unnötig meine Minderwertigkeitsgefühle „damals“ waren. Nein, er hat es noch nicht auf das Cover der GQ geschafft und wenn ich ab und zu auf seinen Social Media Kanälen vorbeischaue, auf denen man tolle Modelbilder und Champagnerflaschen aus Nachtclubs an der Côte d’Azur sieht, empfinde ich Genugtuung. Es ist, wie bei vielen Münchnern, mehr Schein als Sein und aus Erfahrung weiß ich, dass diejenigen, die sich wirklich „auf einem anderen Level“ bewegen, es einem nicht pausenlos unter die Nase reiben. Für sie ist das selbstverständlich und sie haben nicht das Bedürfnis, ihre Überlegenheit zur Schau zu stellen.

Demnach habe ich fast damit aufgehört, andere zu beneiden oder zu bewundern. Ich habe festgestellt, dass es genügend Mensch gibt, die besonders sind und in derer Gegenwart ich mich wohl fühle. Demnach kann ich euch nur raten: Trennt euch von denjenigen, vor denen ihr nicht ihr selbst sein könnt und akzeptiert, dass sie einfach nicht zu euch passen. Das ist weder gut, noch schlecht. Alles in allem kann ich aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit (da kommt die Jurastudentin in mir raus, haha) sagen: Alles hat seine Licht- und Schattenseite und das „perfekte“ Leben anderer ist meist nur eine Illusion

 

Genießt den freien Abend 🙂

xx Franzi

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11 Discussion to this post

  1. Iris sagt:

    Toller Beitrag!

    Ich kenne dieses Gefühl mit dem Nicht dazugehören weil man zu ‚uncool‘ ist. Manchmal fühle ich mich noch immer so, leider.

    Liebe Grüße und einen schönen Abend,
    Iris, http://www.irilicious.wordpress.com

  2. Maria sagt:

    Schöner Beitrag! Ich kann deine Wort sehr gut nachvollziehen, denn ich hatte vor allem in der Schulzeit, aber auch heute noch, die selben Gedanken. Es gab und gibt Gruppen, zu denen ich gerne dazugehören möchte – die irgendwie cool wirken und als hätten sie viel mehr Spaß als ich. Es ist schön für dich, dass du die diese Gefühle hinter dir lassen konntest. Bei mir ist es leider noch nicht vollkommen so – ab und zu fühle ich mich auch immer noch als Außenseiter und nicht gemocht.

    Liebe Grüße
    Maria von http://www.testzirkus.de

    • Franziska Elea sagt:

      Wirklich? 🙁 Ich hoffe, mein Beitrag konnte dir wenigstens zeigen, dass du damit nicht alleine bist. Außerdem wünsche ich dir, dass du auch bald selbst die Erfahrung machst, dass anderer Leute Realität nicht mehr glänzt, als deine :**

  3. Janine sagt:

    Liebe Franzi, Danke für diesen Beitrag. Das hat mich echt berührt, denn ich ertappe mich nur allzu oft, wie ich mich für weitaus weniger wert halte, als alle anderen. Das beginnt im realen Leben und zieht sich auch ins Bloggen. Ich denke immer, dass ich nicht gut genug bin, dass das was ich tue, niemals anerkannt wird. Ich kämpfe seit meiner Schulzeit mit solchen Gefühlen und es ist echt nicht einfach, sie loszuwerden oder zu mindern. Ich finde es schön, wie Du auch ein persönliches Erlebnis erzählst und ob du es glaubst oder nicht, einen solchen Mann habe ich vor kurzem auch gedatet.. er war erfolgreich und hübsch, aber eben, in seiner Gegenwart fühlte ich mich noch minderwertiger und ich glaube, dass er dies sogar ausgenützt hat..
    Ich wünsche Dir einen schönen Sonntagabend und einen guten Start in die Woche
    Liebe Grüsse
    Janine
    http://www.yourstellacadente.com/

    • Franziska Elea sagt:

      Oh Mann, das ist echt krass. Es macht mich echt traurig, dass es so vielen von euch auch so geht… Halte dich an die Menschen, bei denen es dir gut geht, alles andere ist doch im Wesentlichen unwichtig, oder nicht? 😉 <3

    • Eve sagt:

      Mir ging es in der Schulzeit und lange danach auch so, aber irgendwann hab ich begriffen, dass das alles auch NUR Menschen sind, die die gleichen Gefühle haben wie wir. Das hat alles viel einfacher gemacht. Wir alle kochen nur mit Wasser, auch wenn einige uns was anderes weiß machen wollen. Solche Leute nehme ich gar nicht ernst, ich lache drüber. Aber nichtsdestotrotz muss ich sagen, dass man gerade als Blogger aufpassen muss, sich nicht blenden zu lassen von all den anderen, die ein scheinbar so viel besseres Leben führen als wir. Alles hat seine Schattenseiten, wie Franzi sagt. Also sollten wir uns lieber nicht vergleichen mit anderen, sondern überlegen, was wir an uns selbst mögen. Denn nur, wer sich selbst mag, strahlt ein gewisses Selbstbewusstsein aus. Das Leben ist einfach zu kurz, um es mit blöden Menschen zu vergeuden.

      In diesem Sinne, wünsche ich allen viel Kraft und Selbstbewusstsein
      Liebe Grüße
      Eve von http://www.eveblogazine.com

  4. Hi Franzi,
    es ist gar nicht so leicht, aber ich finde auch, man sollte von Menschen Abstand nehmen, die einem ein Minderwertigkeitsgefühl geben – meistens ist dieses Gefühl nicht mal gerechtfertigt!
    Worüber ich allerdings immer wieder nachdenke: Warum geben einem manche Menschen dieses Gefühl? Ich kenne einige solche Leute und bin noch auf keine signifikanten Gemeinsamkeiten gestoßen… vielleicht hast du ja eine Idee, woran das liegen könnte…
    Liebe Grüße
    Susi

  5. was für ein wunderschöner post! ich finde es toll, dass du so offen und ehrlich bist! ich weiß genau was du meinst – ich habe in meiner schulzeit auch sehr schlimme erfahrungen gemacht, wie es ist wenn man ausgeschlossen wird… leider ist es in dem alter aber schwer zu merken, dass man nicht unbedingt selber das problem ist, sondern dass man sich einfach nur mit den falschen menschen umgibt. ich finde es super, dass du das hier ansprichst und so anderen in dieser situation hilfst. leider kann es in münchen manchmal wirklich etwas schwer sein, menschen zu finden die einfach bodenständig, ehrlich und unkompliziert sind – aber zum glück lernt man auch schnell das muster zu durchschauen 😉

    alles liebe,
    marie

    http://www.heartfelthunt.com/layers

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