Warum ich gnadenlos ehrlich bin + Outfit

Natürlich weiß ich, dass meine Direktheit nicht immer bei allen gut ankommt. Aber glaubt mir, ich halte mich mit meiner Meinung sehr häufig total zurück, um niemanden damit zu verletzen. Es ist wirklich sehr anstrengend, sich immer auf eine Seite zu stellen, die Dinge beim Namen zu nennen und dann auch noch mit dem Feedback umzugehen.
Das verlangt wahrlich eine Menge Selbstbewusstsein, einen stabilen Charakter und eine Furchtlosigkeit gegenüber dem Hass anderer. Manchmal habe ich Zweifel, ob das der richtige Weg ist und frage mich, ob ich nicht doch lieber über den neuen Rüschen-Trend hätte schreiben sollen. Wenn ich versuche, mich mit weniger brisanten Themen zu beschäftigen, bekomme ich einfach kaum einen Satz heraus, weil ich mich schon beim Nachdenken quasi selbst langweile.

 

 

Ich gebe zu, dass ich einfach ein riesengroßes Bedürfnis habe, meine Meinung mitzuteilen. Schon in der Schule und im Sportverein war immer ich diejenige, die nicht die Klappe halten konnte und sich mit allen angelegt hat. Ich habe jedem Lehrer widersprochen, wenn ich der Ansicht war, dass er Unrecht hatte und auch als 7-jähriges Kind habe ich mir von niemandem etwas gefallen lassen. Natürlich dachte jeder, dass ich ein krankhaftes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit hatte oder so von mir selbst überzeugt und süchtig nach Anerkennung war, dass ich immer Recht bekommen musste. So sah es von außen betrachtet eben aus und es wäre nie jemand auf die Idee gekommen, hinter die Fassade zu blicken oder sich zu fragen, warum ich das wirklich tat. Als hätte ich nicht gewusst, wie das bei meinen Mitmenschen ankommt – es war mir einfach egal.
Die meisten Leute haben ein Problem mit der Wahrheit, da sie sich ihre bequeme, kleine Welt in jahrelanger harter Arbeit errichtet haben und sich darin in der Regel äußerst sicher fühlen. Ich bin der Meinung, dass jeder in seiner eigenen Realität lebt und dass das, was wir tief im Inneren wirklich glauben, von Person zu Person stark auseinander driftet.

Meine Welt war nie bequem und sicher war sie auch nicht. Ich habe mich nirgendwo geborgen gefühlt und wusste überhaupt nicht, was glücklich sein bedeutet. Bis heute weiß ich nicht warum, aber ich hatte jeden Tag Angst zu sterben. Zwar habe ich nie bewusst darüber nachgedacht, aber innerlich hatte ich immer das Gefühl, dass meine letzte Stunde geschlagen hatte und bald etwas passieren würde . Jeden Abend lag ich in meinem Bett und wartete darauf, dass ein Erdbeben unser Haus zum Einsturz bringt, dass der 3. Weltkrieg ausbricht und ich weggebombt werde, dass ein Baum aus dem angrenzenden Wald auf das Dach und mein Bett fällt, dass ein Mörder kommt und mir die Kehle durchschneidet oder dass ich am nächsten Tag aufwachen und ganz alleine sein würde. In gewisser Weise war ich das auch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jeden Tag habe ich ganz deutlich gespürt, wie hart das Leben sein kann. Mir hat niemand gesagt, dass alles wieder gut werden würde und keiner konnte was gegen meine Gewissheit tun, dass ich bei der nächstbesten Gelegenheit sterben würde. Wer dieses Gefühl in sich trägt, hat keine Angst, die Wahrheit zu sagen. Der hat keine Angst, vor dem Hass anderer, im Gegenteil – ich war so enttäuscht von der Menschheit. Enttäuscht von allen, die um mich herum in Geborgenheit lebten und mein Leid nicht sahen. Sie wollten es nicht sehen, da das nicht zu dem passte, was sie kannten; immerhin fühlten sie sich sicher und keiner wollte für mich seine Welt zum Einsturz bringen. Ich konnte diese Untätigkeit und Ungerechtigkeit nicht ertragen und vor allem wollte ich mich nicht von Erwachsenen schikanieren lassen, die dümmer waren als ich. „Oh Mann, wie kann sie nur so etwas sagen? Wie kann man bloß so eingebildet sein?“… Noch heute sehe ich in den Augen anderer, wenn sie genau das denken. Es entgeht mir nichts und ich weiß schon, bevor ich etwas sage, dass mein Gegenüber sich zwar nichts anmerken lassen, dass er aber innerlich den Kopf über mich schütteln würde. Immer hat man den Kopf über mich geschüttelt, weil man mich nicht verstehen konnte. Die einzige Erklärung, die alle immer dafür hatten, war, dass ich wohl verrückt sein musste. Natürlich hätte das keiner je ausgesprochen; man hielt schließlich nicht besonders viel von unangenehmen Tatsachen…

 

 

 

Das hat mich immer rasend gemacht. Das tut es immer noch, weil man schließlich ganz schön einsam ist, wenn kein Mensch auf der Welt versteht, was wirklich in einem vorgeht und warum man tut, was man eben tut. Ich kann lediglich versuchen, den anderen mitzuteilen, warum ich mich so verhalte. Nur wenn ich sage, was tatsächlich in mir vorgeht, habe ich die Chance, verstanden zu werden. Dazu gehören eben auch Dinge, die keiner hören möchte. Ich wünsche mir so sehr, damit nicht alleine zu sein, dass ich in Kauf nehme, dass andere den Kopf schütteln. Sollen sie doch denken, was sie wollen, wenn es mir schlecht geht, fragen sie schließlich auch nicht nach mir.

Vielleicht könnt ihr jetzt ein bisschen besser nachvollziehen, warum ich manchmal so schreckliche Dinge ausspreche, warum ich nicht gerne über Handtaschen schreibe und warum ich überhaupt so authentisch sein kann, ohne daran kaputt zu gehen. Kinder, die nichts zu verlieren haben, sind frei, oder? 😉

 

Mantel: New Look
Sonnenbrille: Fendi (via Smartbuyglasses)*
Rucksack: Karl Lagerfeld (via Zalando)*
Jeans: Asos (hier kaufen SALE)
Schuhe: Bronx (hier kaufen)

*Produktplatzierung

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6 Discussion to this post

  1. Leni sagt:

    Ich fand deinen Text ziemlich bewegend!
    Ich selbst bin allerdings gar nicht so, ich hab weniger Motivation dazu gegen alles anzukämpfen, viel eher ist es mir egal 😀
    Dafür ernte ich auch öfter mal das ein oder andere Kopfschüttel, aber who cares 😀
    Dein Outfit gefällt mir sehr gut 🙂
    Liebe Grüße,
    Leni 🙂
    http://www.sinnessuche.de

    • Franziska Elea sagt:

      Nein, du hast doch total Recht. Wenn ich könnte, würde ich die Dinge auch links liegen lassen, aber ich bin da anscheinend einfach anders gestrickt. Das ist Segen und Fluch zugleich, denke ich 😉 Danke dir! <33

  2. Kim-Louise sagt:

    Liebe Franzi,
    toller Text!
    Ich kann deine Worte gut verstehen, deine Ängste kenne ich nur zu gut, leider.
    Ich finde es gut, wenn jemand seine Meinung sagt und dazu steht! Solche Leute sind mir direkt sympathisch, mit Menschen, die ihren Mund nicht aufbekommen, wenn es drauf ankommt, kann ich nicht umgehen.
    Ich kenn dich zwar leider nicht persönlich, aber du machst auf mich einen tollen und sympathischen Eindruck, mach weiter so!

    Liebe Grüße, Kim 🙂

    http://www.kim-louise.com

    • Franziska Elea sagt:

      Danke dir, Kim!!! Bei Leuten, die viel schweigen denke ich oft direkt, sie sind unehrlich. Das ist natürlich nicht immer der Fall, aber man denkt doch immer etwas, oder? Ich möchte mich austauschen und herausfinden, ob meine Meinung richtig ist, oder ob ich was daran ändern sollte. Das geht eben nicht mit Schweigen 😉 Danke für dein Feedback :**

  3. Ich liebe deine Art von blogposts! Man bekommt nicht einfach nur das Outfit hingeklatscht, sondern auch noch einen interessanten und ehrlichen Text. Mach weiter so <3

    Liebe Grüße
    Johanna von http://www.missrapunzel.com

    • Franziska Elea sagt:

      Danke Johanna! Das ist mir immer ein Anliegen. Wenn ihr Fotos sehen wollt, könnt ihr ja auch auf Instagram vorbeischauen, aber mein Blog soll einen Mehrwert bieten 🙂 Da kann ich gar nicht anders, als persönliche Texte zu schreiben 😀

      Liebste Grüße und einen schönen Abend <3

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