Schleichwerbung auf Instagram: Das steckt dahinter und so kennzeichnest du richtig

Was die Bloggerbranche betrifft, ist die Kennzeichnung von Posts, die Werbung beinhalten, DAS Diskussionsthema schlechthin in den letzten Wochen. Von allen Seiten wird man gewarnt, Kolleginnen wurden angeblich zu Geldstrafen im 5-stelligen Bereich verdonnert und Blogger-Netzwerke senden massenhaft E-Mails mit Warnungen heraus. Warnungen und Anleitungen zum „richtig Kennzeichnen“ auf Instagram.
Seit Monaten wissen wir zwar, dass ein Hinweis auf Werbung verpflichtend ist, jedoch konnte uns bis vor kurzem leider niemand sagen auf welcher Sprache, wo, wie und was überhaupt.
Genügt ein „Werbung“ am Anfang oder am Ende des Posts, reicht „Ad“, darf ich einen Hashtag dabei verwenden, muss ich deutsch oder englisch kennzeichnen und gilt das Ganze auch für gesponserte Produkte ohne finanzielle Vergütung? Ein ziemlich undurchsichtiger Dschungel, den sich Rechtsexperten zu Nutzen gemacht haben, um ahnungslose Influencer abzumahnen und sich selbst dadurch einen Vorteil zu verschaffen.

 

Was ist „Schleichwerbung“ überhaupt?

Möglicherweise habt ihr euch schon gefragt, WARUM man auf Instagram in letzter Zeit unter nahezu jedem Post ein „WERBUNG“ ,“ANZEIGE“ oder „AD“ reingedrückt bekommt. Die Antwort darauf ist ganz einfach: Wir haben Kooperationen mit Firmen, die uns dafür bezahlen, ihre Produkte in unseren Content (also auf Fotos, IG Stories oder in der Bildbeschreibung) einzubinden. Wenn wir euch dann vorgaukeln, dass wir diesen Lippenstift ja so toll finden, ohne zu erwähnen, dass wir für diese Aussage Geld bekommen, beeinflussen wir euch quasi auf unehrliche Art und Weise. So als hätte diese Marke unsere Meinung nur gekauft und als hätten wir einen Pakt mit ihr geschlossen, um euch zu hintergehen. Das Ganze nennt man auch Schleichwerbung und es ist laut Gesetz – zumindest in diesem Land – ausdrücklich verboten.

 

Wie kennzeichnen wir richtig?

Seit ein paar Wochen wissen wir endlich, dass der Hinweis auf Werbung folgende Aspekte berücksichtigen muss:

  • Die Kennzeichnung muss in der Sprache geschrieben sein, in der wir auch sonst auf unseren Netzwerken kommunizieren (in meinem Fall also auf Deutsch)
  • Hashtags reichen nicht aus, da diese oft „überlesen“ werden
  • Der Hinweis muss am Anfang des Beitrags auftauchen (dass wir euch nicht zuerst veräppeln, auf grauenvolle Art und Weise beeinflussen und hinterher mit einem „verarscht, WERBUNG“ um die Ecke kommen)
  • Auch Kooperationen auf Produkbasis (ohne finanzielle Vergütung) müssen gekennzeichnet werden

 

Jaja, die bösen Influencer. Wir sind gekommen, um euch miese Produkte anzudrehen, die wir selbst natürlich nie benutzen würden. Wir sind alle geldgeil, lachen uns ins Fäustchen, wenn ihr unsere Sachen nachkauft und geben unseren bösen Kooperationspartnern ein E-Mail-High-Five, wenn die Operation geglückt ist.
Ernsthaft, ich verstehe, dass Schleichwerbung etwas Blödes ist und möchte das auch absolut nicht unterstützen. Was mich jedoch unglaublich aufregt, sind die Leute, die so unheimlich korinthenkackerisch an die Sache herangehen und junge Mädels in die Pfanne hauen, weil das „Werbung“ in der 2. und nicht in der 1. Zeile des Posts steht. Wir wollen sicherlich keinem etwas Böses und ich persönlich würde niemals für ein Produkt werben, hinter dem ich nicht mit meinem Gesicht und meinem Namen stehe.
Ein guter Blogger wählt seine Kooperationspartner gezielt aus und nimmt eben NICHT jeden Auftrag an, nur weil er möglicherweise gut bezahlt ist. Selbst wenn bei großen Influencern jeder einzelne Post gesponsert ist, ist das doch nicht schlimm?! Das bedeutet doch nicht, dass wir deshalb nicht mehr authentisch sind?
Beispielsweise arbeite ich relativ regelmäßig mit Z. zusammen, wobei ich auch privat gerne meine Klamotten dort einkaufe. Wo ist also das Problem, wenn ich für eine Verlinkung von Z. selbst bezahlt werde? Schließlich unterstütze ich das Unternehmen (aus ÜBERZEUGUNG!!) und es entsteht eine Win-Win-Situation für alle: Z. bekommt Aufmerksamkeit, ihr könnt eure Lieblilngslooks nachshoppen und ich kann meine Miete bezahlen.

Weder wir noch die Brands haben etwas davon, wenn wir unsere Posts nicht kennzeichnen. Es gibt dafür weder mehr Geld, noch wollen wir irgendwem in irgend einer Weise damit schaden. Viele wussten einfach sehr lange nicht, was richtig und was falsch war, da Werbung auf Instagram und Blogs etwas relativ Neues ist und wir uns in nahezu jeder Hinsicht (Steuern, Kennzeichnung, berufliche Einordnung) in einer rechtlichen Grauzone befinden.
Jetzt, da uns endlich klar ist, was wir zu tun haben, halten wir uns auch an die Kennzeichnungspflicht. Dennoch finde ich persönlich es mega blöd, dass ich die meisten meiner Posts nun von vornherein fett mit Werbung deklarieren soll. Der erste Satz meines Beitrages entscheidet meist darüber, ob die Leute weiterlesen, oder nicht. Es sieht einfach nicht schön aus und ich könnte mir vorstellen, dass es euch auch ein bisschen nervt? Einfach unnötig?! Ihr wisst das wir viele Kooperationen haben und wir wollen euch nichts andrehen, was wir selbst kacke finden – wo zur Hölle ist das Problem?!

Nun gut – wenigstens wissen wir jetzt alle Bescheid. Da Instagram als Antwort auf die Debatte kürzlich eine neue Funktion eingeführt hat, durch die wir bezahlte Kooperationen mit Zustimmung des Partners schon oberhalb des Fotos als „gesponsert“ markieren können, sollte das Problem künftig sowieso in den Hintergrund rücken. Leider hat sich diese Art der Kennzeichnung bei meinen Partnern noch nicht wirklich rumgesprochen, weshalb ich euch wohl noch eine Weile mit „WERBUNG“ zuspamen muss, ich hoffe, ihr versteht das und seid deshalb nicht abgeneigt. Uns erwarten wirklich hohe Geldstrafen, wenn wir uns nicht an diese Regel halten und darauf können wir gut und gern verzichten 🙂

Habt noch einen schönen Tag!

xx Franzi

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12 Discussion to this post

  1. Maurice sagt:

    Liebe Franziska,

    der Hinweis Werbung hat einen simplen Hintergrund: Gesunden wettbewerb ermöglichen.

    Denn wenn ihr eure Beiträge nicht kennzeichnen würdet, würden Firmen die übers Fernsehen und Magazine Werbung systematisch benachteiligt werden.

    Des Weiteren bildet man mit Werbung auch Meinungen, vielfach als Propaganda bezeichnet. Manche überblicken das nicht auf den ersten Blick, sodass im Endeffekt der Verbraucher geschützt wird.

    Keiner will dir oder anderen Influencern was böses. Ihr sollt euch nur an die Regeln halten, die für alle anderen Werbemacher bereits gelten.

    • Franziska Elea sagt:

      Wenn 10 000€ Strafen wegen einer solche Lappalie nichts Böses sind, dann bin ich mal auf deine Definition gespannt…

      • Henning Uhle sagt:

        Es ist halt das UWG, was für jeden gilt. Wir Blogger haben auch solche Tänze durch. Das Publikum akzeptiert die Kennzeichnung. Mit Mimimi kommt niemand weiter.

        • Franziska Elea sagt:

          Naja, ich schreibe solche Beiträge, dass andere Mädels sich eventuell damit identifizieren können und mein Blog lebt von meiner persönlichen Meinung. In diesem Sinne komme ich mit „Mimimi“ ausnahmsweise wohl doch voran 😉

  2. Das ist wirklich unglaublich, was in letzter Zeit alles passiert.
    Vielen Dank für den schönen Artikel. Da wird man wirklich vorsichtiger mit dem Kennzeichnen von Produkten.
    Lieben Gruß,
    Elaine & Isabelle

  3. Nina sagt:

    Das ist mal wirklich hilfreich, danke

  4. Sassi sagt:

    Ich finde die ganze Kennzeichnungspflicht auch extrem überzogen. Immer noch mehr und immer noch genauer soll gekennzeichnet werden und im Prinzip ist es genauso wie du sagst: Wir sind alle geldgeil und werden für jedes Produkt auch wenn wir es selbst schlecht finden 🙁
    Irgendwo muss auch mal Schluss sein, denn eine normale Kennzeichnung, die für jeden auf den ersten Blick ersichtlich ist, sollte wohl genügen.
    Vielen Dank für diesen Beitrag <3
    Hab einen wundervollen Tag <3
    Liebste Grüße,
    Sassi

  5. Eve sagt:

    Liebe Franzi,

    ich finde, dass Blogger und Influcener unnatürlich hart in die Mangel genommen werden, während andere Medien wie große Magazine scheinbar gar nicht im Fokus stehen. Dabei ist bekannt, dass da auch nicht immer (ausreichend) gekennzeichnet wird. Aber die haben ja meist große Verlage mit einem Juristen-Team im Rücken, während man einzelnen Bloggern richtig gut an den Karren fahren kann, weil die sich kaum schützen können. Echt fies. Außerdem ist es doch sinnlos, wenn wir jetzt alles als Werbung bezeichnen, wird es doch wieder intransparent und keiner weiß, wofür man am Ende wirklich bezahlt wurde. Bescheuert! Schauen wir mal, wie es weitergeht bei dem Thema.

    Liebst
    Eve von http://www.eveblogazine.com

  6. Kostantina sagt:

    Hi, Liebes!
    Du, ich muss sagen, ich bin manchmal echt erstaunt wie krass das alles geworden ist! Ich finde es sogar einfach nicht mehr nachvollzierbar, wenn sich manche als „Fashion Blogger“ bezeichnen, aber jedoch für alles mögliche zu werben: vom Lieferservice bis Deko Produkte! Manche IG Accounts bestehen nur als AD Bilder und die Blog Seiten sehen teilweise wie reine Online Shops! Da kommt so viel Werbung, dass man die Seite an sich gar nicht wahrnehmen kann.

    Hierkannst du gerne ein Beitrag dazu lesen:
    http://evasgirlblog.blogspot.de/2017/08/blogger-shop-das-moderne-online-shopping.html

    Kostantina

  7. Sasi sagt:

    Moin Franzi,

    ich war in letzter Zeit ziemlich selten auf Insta unterwegs & bin immer wieder auf solche Postings gestoßen die mit Werbung gekennzeichnet wurden. Auch selbst gekaufte Produkte, die man aus Überzeugung zeigen möchte verlieren an Interesse. Vielen lieben Dank für dein Posting!♥

  8. daniel sagt:

    Ich finde es erschreckend, dass die meisten Leute erst jetzt peilen, wie Blogger/Influencer ihr Geld verdienen 😀
    Als wäre es vorher, also vor der Kennzeichnung, nicht schon offensichtlich gewesen..
    Schöner Beitrag!

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